Akademiker sehen sich mitunter mit dem Vorwurf konfrontiert, „aus allem eine Wissenschaft zu machen“, also die Dinge unnötig zu verkomplizieren. Teilweise ist diese Kritik sicherlich berechtigt. Aber wie verhält es sich mit der Holzwissenschaft oder „Xylologie“, wie sie in der Fachsprache genannt wird? Benötigen wir wirklich eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin, die sich ausschließlich mit Holz beschäftigt?
Kurz und knapp gesagt: „Ja!“ Denn Holz ist nur auf den ersten Blick ein simpler Rohstoff. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich schnell die Komplexität. Das beginnt bereits damit, dass es eine fast unvorstellbar große Zahl an unterschiedlichen Sorten gibt. Man schätzt, dass weltweit rund 25.000 Holzarten existieren. Vergleicht man sie miteinander, zeigen sich enorme Unterschiede, z. B. im Hinblick auf Gewicht, Dichte, Härte und Glätte. Entsprechend eignen sie sich jeweils für andere Einsatzbereiche. Um die individuellen Eigenschaften zu klassifizieren und damit nutzbar zu machen, werden schon seit langem „Xylotheken“, also Holzbibliotheken, angelegt. Sie erlebten Ende des 18. sowie Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Hochphase. Allerdings waren die in diesen Bibliotheken enthaltenen Holzbücher schon damals so teuer, dass die Xylotheken in der Regel Adligen, Klöstern und Forstakademien vorbehalten blieben. Für Laien waren sie dagegen kaum zugänglich. Das hat sich heute grundlegend geändert! Einige Xylotheken sind mittlerweile sogar digitalisiert und die Exponate können kostenlos vom eigenen PC aus betrachtet werden.
Begeben wir uns in die Welt einer größeren Holzbibliothek, bietet sich uns ein fast unvorstellbarer Reichtum an unterschiedlichen Holzarten. Moderne Xylotheken wie die Holzsammlung am Thünen-Institut in Hamburg umfassen über 30.000 Muster und mehr als 50.000 haardünne Schnitte von 12.000 verschiedenen Baum- und Straucharten. Diese Muster werden unter anderem genutzt, um Hölzer genauer zu bestimmen. Dabei kommt es mitunter auch zu ungewöhnlichen Anfragen. Die in Hamburg beschäftigen Holzwissenschaftler werden beispielsweise regelmäßig vom Zoll kontaktiert, um im Hamburger Hafen Fundstücke von verdächtigen Hölzern aus Containern zu prüfen. Ebenso wenden sich Baumärkte an die Experten, um herauszufinden, ob die gelieferten Gartenstühle wirklich aus dem vom Hersteller angegeben Holz bestehen oder ob verbotenerweise ein geschütztes Holz verwendet wurde. Ca. 200 Holzarten erkennt Gerald Koch, der Leiter der Sammlung, dank seiner Erfahrung nur mit Hilfe einer Lupe. Landet er damit keinen Treffen, entnimmt er eine winzige Probe und vergleicht diese im Labor so lange mit den Mustern aus seiner Sammlung, bis das gewünschte Exemplar gefunden ist.
Diese Art von Detektivarbeit ist jedoch nur ein mögliches Aufgabengebiet eines Holzwissenschaftlers. Darüber hinaus kommen die Holzexperten heute in der Waldökologie, in Produktion und Management, in der Waldgovernance, bei Holzproduktsystemen und in der globalen, digitalen Forstwirtschaft zum Einsatz. In ihrem Berufsalltag geht es unter anderem darum, Konzepte zur Erhaltung und Bewirtschaftung des Ökosystems Wald zu erstellen und Strategien zu entwickeln, wie sich der Rohstoff Holz nachhaltig nutzen und verarbeiten lässt. Spätestens jetzt dürfte außer Frage stehen, dass die Holzwissenschaft eine höchst sinnvolle Disziplin ist!
Was wir bei OrganiQ Wood für einen möglichst nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Rohstoff Holz tun? Mehr über unsere Philosophie und innovative Ansätze bei der Holzverarbeitung erfährst du hier im Blog. Und die fertigen Produkte findest du selbstverständlich in unserem OrganiQ Wood Shop!

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